21.02: Strange Love, oder Wie der Westen lernte, die iranische Bombe zu lieben

Mit dem Genfer Abkommen, das im November 2013 zwischen der Islamischen Republik Iran und den permanenten Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland abgeschlossen wurde, hat das Ayatollah-Regime, nach Jahren der internationalen Isolierung, einen ungeheuren diplomatischen Erfolg erzielt. Im Austausch für ein paar kosmetische Zugeständnisse wurden die gegen den Iran verhängten Wirtschaftssanktionen erheblich gelockert. Den permanenten Verstößen des Regimes gegen UN-Beschlüsse und geltende Verträge wurde damit de facto der Segen der Supermächte erteilt – denn weder ist die Arbeit an einer iranischen Atombombe substantiell beeinträchtigt worden, noch hat sich auch nur ein Deut an der Unterdrückung der Opposition und an den permanenten Vernichtungsdrohungen gegen Israel geändert.

Dennoch gilt das Abkommen auch im Westen als Meilenstein einer Politik des »interkulturellen Dialogs«. Es reichte offensichtlich, die Schurkenvisage Ahmadinejads durch die Grinsekatze Rohani zu ersetzen, um den Iran in einen umworbenen Verhandlungspartner zu verwandeln und dabei die Warnungen Israels und zahlreicher arabischer Staaten beiseite zu wischen. Wie aber erklärt sich die Bereitwilligkeit, mit der das Phantasma vom »Reformislamismus« beschworen wird – bis hin zur Forderung, Rohani den Friedensnobelpreis zu verleihen? Und warum kann die Islamische Republik ideologische Unterstützung in ganz anderem Ausmaß im Westen mobilisieren als jede säkulare Diktatur?

Stephan Grigat (Politikwissenschaftler, Wien) wird die Hintergründe und Tragweite der Annäherung des Westens an das iranische Regime darstellen, Andreas Benl (Historiker, Berlin) das kulturrelativistische Bedürfnis, das neben politischen und ökonomischen Kalkülen seit 1979 die Auseinandersetzung mit der Teheraner Chefetage des Islamismus bestimmt. Beide Referenten sind aktiv in der internationalen Kampagne Stop the Bomb gegen das iranische Atomprogramm.

Eine Veranstaltung von Hamburger Studienbibliothek, Gruppe Melange und Assoziierten auf Einladung der Initiative Kritischer StudentInnen.

Freitag, 21. Februar 2014, 19.00 Uhr, Universität Hamburg, t-Stube im Pferdestall (Allende-Platz 1)
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Mitschnitte: Die khomeinistische Despotie u.A.

Der Mitschnitt unserer Veranstaltung mit Danyal ist nun online: http://www.mediafire.com/download/gsjeg29d9s2jyqn/khomeinistische-Despotie-deutsch-europ–ischen-Freunde_Danya-Cosmoproletarian_07-11-13.mp3.


Ebenso gibt es eine nachbearbeitete Version des Mitschnitts unserer Podiumsdiskussion mit Lars Quadfasel und Kay Sokolowsky

http://www.mediafire.com/download/74tf7jvussj9ji7/Feindbild-Islam-Kritik_17-10-2013_Quadfasel-Sokolowsky.mp3.

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Zudem sei auf die Mitschnitte der Berliner Tagung “Politischer Islam und Kulturdialog mit dem Iran” hingewiesen. Sie finden sich hier: http://zweifelunddiskurs.blogsport.de/2013/12/03/audiomitschnitt-der-tagung-politischer-islam-und-kulturdialog-mit-dem-iran/.

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Mitschnitt: Feindbild Islam/Kritik – Was wollen die Deutschen vom Islam?

Der Mitschnitt unserer Podiumsdiskussion mit Kay Sokolowsky und Lars Quadfasel findet sich nun zum Nachhören unter folgendem Link:

https://soundcloud.com/golem-dieuntuchtigen/feindbild-islam-kritik-was

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Fehlanzeige (aus: konkret 7/2013)

Zur seltsamen Abwesenheit von Religionskritik in der sogenannten Islamdebatte. Von Lothar Galow-Bergemann

»Ist es aber Wahrheit, daß die Dirne nicht ist Jungfrau funden, so soll man sie hinaus vor die Tür ihres Vaters Hauses führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen.« – »Und jene [Frauen], deren Widerständigkeit ihr befürchtet: Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!« – »Sag [den Juden]: Kann ich euch etwas Schlimmeres verkünden als die Vergeltung Gottes? Welche Gott verflucht hat und über welche er zürnte, hat er in Affen und Schweine verwandelt.« – »Ihr [Juden] seid von dem Vater, dem Teufel, und nach eures Vaters Lust wollt ihr tun.« – Die interessierte Leserin möge bitte selber herausfinden, welche dieser Weisheiten unter Sure 4, Johannes 8, Sure 5 oder 5. Mose nachzulesen ist. Grundsätzlich gilt: Wer eine menschenfeindliche Interpretation seiner heiligen Schrift bevorzugt, braucht nichts anders zu tun als derjenige, dem der Sinn nach Humanerem steht: aussuchen, was ihr oder ihm beliebt. Fündig wird sie oder er bestimmt. Trotzdem leiten manche, die sich erstaunlicherweise nicht für Theologen, sondern für Gesellschaftskritiker halten, »das Wesen« von Religionen, vorzugsweise dasjenige des Islam, aus der Exegese heiliger Schriften her. Meister dieses Fachs sind vermeintliche Islamkritiker/innen, deren eigentlicher Antrieb ihre gefühlte Berufung zur Rettung des Abendlandes ist. Daß sich Religionen voneinander unterscheiden, ist ein Gemeinplatz. Andernfalls hätte man sich schon längst auf den einen und wahren Gott geeinigt und könnte sich Religionskriege wie etwa in Nigeria schenken, wo sich Christen und Muslime seit Jahren gegenseitig abschlachten, ohne daß das hierzulande sonderlich skandalisiert würde. Doch wer glaubt, »das« Christentum sei, »da durch die Aufklärung gegangen«, heute etwas völlig anderes als »der« Islam, ist – sagen wir mal: ziemlich mutig. Wenn Hunderttausende in Caracas die Schmerzen des ans Kreuz genagelten Christus zu erdulden glauben, während sie ihre Trauer um den verstorbenen geliebten Führer zelebrieren, und wenn zur gleichen Zeit eine vergleichbar große Menge ihrer Glaubensgeschwister durch Paris marschiert, um gegen die Homoehe zu krakeelen, muß er jedenfalls beide Augen fest zudrücken. »Das« Christentum gibt es genauso wenig wie »den« Islam. Die vermeintlich unterschiedlichen Entfernungen beider von Aufklärung und Emanzipation erweisen sich regelmäßig als unterschiedliche Entfernungen je einzelner religiöser Strömungen oder Interpretationen. Doch es reicht nicht, sich auf diese Geerallinie zurückzuziehen und zu glauben, damit sei in der »Islamdebatte« bereits alles Notwendige gesagt. Verrät doch schon diese Wortschöpfung selbst, wie wenig Klarheit darüber herrscht, daß außer über Religion und religiösen Fundamentalismus auch über Patriarchat und Antisemitismus, antiorientales beziehungsweise antiokzidentales Ressentiment und die globale Krise der Kapitalverwertung zu reden ist. Zwar beweisen saudische Milliardäre, daß Reichtum und Luxus vor Misogynie und Antisemitismus nicht schützen; auch gibt es kein Gesetz, demzufolge aus einem Leben in materieller Armut Regression und reaktionäres Menschenbild erwachsen müssen. Und doch erleichtert jenes die Verbreitung dieser unter den Massen ungemein. Zugleich begünstigt eine extrem konservative, gottesfürchtige und schicksalsgläubige Religiosität das allgemeine Desinteresse daran, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das fanatische Bedürfnis gar, es im gottgefälligen Kampf gegen das Böse gleich ganz zu opfern beziehungsweise wenigstens im Tod noch das zeitlebens vorenthaltene Glück zu erringen, kann nur in einem Umfeld gedeihen, das die Überzeugungen des Fanatikers grundsätzlich teilt und allenfalls mal vor »Übertreibungen « warnt. Ein Teufelskreis. Und wie auch immer man den dreht – die Zutaten des Gebräus, von dem sich Regression und Ressentiment nähren, tun in islamisch geprägten Regionen und Communitys überdurchschnittlich starke Wirkung. Bestreiten kann dies nur, wer es grundsätzlich für »rassistisch« hält, auch dann über Unsympathisches zu reden, wenn es nicht ausschließlich mit den eigenen Lebensumständen zutun hat. Daß hierzulande aber »ganz anders als im Islam« die christliche Religion nur noch eine Privatschrulle sei, der man im politischen Raum keine weitere Bedeutung beimessen müsse, ist ein Irrtum. Wann immer nämlich von »Kulturen « die Rede ist – also dauernd –, läßt die Religion nicht lange auf sich warten, wenn es darum geht, näher zu bestimmen, was denn nun eigentlich der Inhalt dieser oder jener Kultur sei. Daß für den Verfasser der Bibel westlicher Kulturkämpfer, Samuel Huntington (Clash of Civilizations, 1996), »die großen Religionen der Welt«, deren christliche Variante er präferierte, von entscheidender Bedeutung für seine Katalogisierung der Menschheit waren, ist bekannt. Weniger wahrgenommen wird leider, wie sehr ihm manch erklärter Anti-Huntington und Warner vor der »Verteufelung des Islam« ähnelt. So einer ist zum Beispiel Patrick Bahners, New Yorker Kulturkorrespondent und ehemaliger Feuilletonchef der »FAZ« (Die Panikmacher. Die deutsche Angst vor dem Islam, 2011). »Wenn der Rechtsstaat die Scharia als Prinzip religiöser Legitimierung von Rechtsnormen nicht wohlwollend betrachten oder auch nur neutral beobachten kann, dann darf dieser Staat auch kein Kirchenrecht gelten lassen«, meint er. Recht so, möchte man ihm beipflichten, also bitte endlich einen Grundsatz der bürgerlichen Revolution verwirklichen und das Kirchenrecht abschaffen. Nicht nur die vielen kirchlichen Beschäftigten, die zwar ohne Mitbestimmung, dafür aber für Gotteslohn arbeiten dürfen, würden sich freuen. Doch nichts läge Bahners ferner. Ganz im Gegenteil, er möchte das Kirchenrecht nicht antasten, dafür aber die Scharia noch obendrauf packen. Zwar hat er andere Vorstellungen als Huntington vom Umgang mit »dem« Islam, doch auch er ist von der Furcht getrieben, der eigene Gottesglaube und seine staatlich privilegierte Stellung und Präsenz im öffentlichen Raum könnten in Bedrängnis geraten. Bahners, der Ayaan Hirsi Alis Bemerkung, sie glaube schon seit langem, »daß der Prophet Mohammed Unrecht hatte, als er die Frauen den Männern unterordnete«, »das Glaubensbekenntnis einer Konvertitin« genannt hat, entpuppt sich als das, was zu bekämpfen er sich einbildet – als Fundamentalist, der ein Problem mit zivilisatorischen Standards hat. Auch das Forum Deutscher Katholiken sieht im Islam eine »natürlichen Verbündeten«. Gemeinsam mit ihm müsse man sich den »zahlreichen Herausforderungen stellen, die eine gottferne Zeit uns aufgibt«. Die lautesten Befürworter islamischen Religionsunterrichts sind denn auch die Kirchen. Schließlich geht es darum, ein allgemeines Fach Religions- und Weltanschauungskunde zu verhindern, das die religiöse Indoktrinierung von Kindern erschweren würde. Was ja durchaus auf eine Gleichstellung der Religionen hinausliefe. Aber eben eine, die mit der Trennung von Kirche und Staat ernst machte. ehr zupaß kommt jenen, die von einer Kritik des Islam nichts wissen wollen, weil sie Religionskritik überhaupt fürchten, daß sich der verbreitete Haß auf Musliminnen und Muslime mit Vorliebe als »Islamkritik« tarnt. Kommentare und Besucherzahlen einschlägiger Websites, auf denen sich wohlanständige Staatsbürger im Schutz der Anonymität auskotzen, sind da ebenso beredt wie Umfragen, die eine mehrheitliche Unterstützung für Thilo Sarrazins Hetze gegen Menschen dokumentieren, »die ökonomisch nicht gebraucht werden« und »ständig kleine Kopftuchmädchen produzieren «. Für das Aus- und Abgrenzungsbedürfnis der autoritären Charaktere haben »die Muslime « als diejenigen, die »nicht hierhergehören und gefälligst verschwinden sollen« die Nachfolge der »Gammler und Kommunisten« angetreten, denen früher einmal der brave westdeutsche Bürger mit Nachdruck empfahl, »doch nach drüben zu gehen«. Dieses Kollektiv der vermeintlich Guten trägt die Fahne einer »christlich- westlichen Leitkultur« vor sich her, die seit neuestem aus durchsichtigen Gründen auch schon mal zur »christlich-jüdischen« mutieren kann. Wo doch, wie Henryk Broder richtig anmerkte, viel eher von einer christlich-antijüdischen Tradition in Europa die Rede sein müßte. Menschen, die wegen ihres Glaubens Nachteile erleiden, sind vor Diskriminierung zu schützen. Nicht aber Religionen vor Kritik. Das sind zwei Paar Stiefel, die immer wieder verwechselt werden – besonders von Leuten, die sich mit viel Recht gegen die Diskriminierung von Musliminnen und Muslimen engagieren. Hintergrund dieses Engagements ist oft eine paradoxe Verarbeitung des Holocaust. Aus der Erinnerung an ihn, schreibt etwa Kay Sokolowsky (Feindbild Moslem, 2009), resultiere »die moralische Verpflichtung, die andern zu akzeptieren, wie sie sind«. Dieser Grundsatz ist unbedingt richtig, solange er sich dem Kampf gegen Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit verschreibt. Verkommt er aber zum Kritikverbot an Kritikwürdigem – dann nämlich, wenn es von »andern« gedacht, vertreten und praktiziert wird –, wird er ebenso unbedingt falsch. »Ich möchte alle aufgeklärten Muslime und Musliminnen aufrufen, sich der Verantwortung nicht zu entziehen und sich einzumischen in die Reformbewegungen im Islam, die notwendig sind, um der Diskriminierung von Frauen, der Gewalt und dem Terror, der im Namen des Islam betrieben wird, Einhalt zu gebieten. Die konservativen, die orthodoxen, die fundamentalistischen und die gewaltbereiten Muslime sind organisiert. Wir Reformer sind es noch nicht, höchste Zeit also, daß wir uns zusammenschließen «, schreibt die Muslimin Seyran Ates (Der Islam braucht eine sexuelle Revolution, Eine Streitschrift, 2009). Solidarität mit Musliminnen und Muslimen gegen Diskriminierung hätte sich mit Leuten wie Ates zu verbünden. Denn natürlich muß der Gedanke einer multikulturellen Gesellschaft gerade in Zeiten eines anschwellenden Fremdenhasses verteidigt werden. Doch nicht wenige Linke und Liberale haben der Sache letztlich einen Bärendienst erwiesen. Weil sie Multikulti nur in der Form der Xenophilie denken können und es nicht verstehen, Migranten- und Migrationsfreundlichkeit mit Kritik an Antisemitismus, Homophobie und Frauenunterdrückung zu verbinden, haben sie es rechtspopulistischen Verteidigern des christlichen Abendlandes leichtgemacht, die sich als die einzigen aufspielen, die überhaupt noch darüber reden. So haben Linke tragischerweise, da in bester Absicht, eine erschreckende rechte Hegemonie in einem immer fremdenfeindlicher werdenden gesellschaftlichen Diskurs mit befördert. Das Zusammenspiel von linker Kritikvergessenheit und rechtskonservativer Diskurshoheit ließ sich auch am Schicksal der Initiative der ehemaligen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan beobachten, die doch tatsächlich nicht nur das Kopftuch, sondern auch das Kruzifix aus den Schulen verbannen wollte. Wie nicht anders zu erwarten, mußte sie nach heftigsten Attacken ihrer christdemokratischen Parteifreunde umgehend abschwören. Ihren Job hätte sie sonst an den Nagel hängen können. Doch obwohl sie im Grunde eine urlinke Forderung gestellt hatte, nämlich die nach der Trennung von Staat und Religion, schloß sich auch aus dem linken politischen Spektrum kaum jemand ihrem Vorschlag an. ie meisten Linken haben die Religionskritik entsorgt. Nirgends wird dies deutlicher als an ihrer Affirmation des Begriffs »Islamophobie «. Daß ein Phobiker – also krank – sei, wer etwas gegen eine Religion hat, haben religiöse Eiferer schon immer behauptet. Daß diese dafür ausgerechnet von links Beifall erhalten, ist dagegen ein historisch relativ neues Phänomen. Nicht entsorgt haben diese Linken allerdings ihr Unverständnis des Antisemitismus, den sie für so etwas Ähnliches halten wie jene ominöse »Islamophobie«. Als ob »den Muslimen « unterstellt würde, Geldwirtschaft und Finanzsphäre zu beherrschen, als ob in ihnen die Verkörperung einer »Gier« gesehen würde, die die »ehrliche Arbeit« unterwühle, als ob sie für alle Übel dieser Welt verantwortlich gemacht würden und man sich ihre Vernichtung wünschte. Aber zu glauben, man könne gegen Antisemitismus sein, ohne eine Ahnung von ihm zu haben, ist sowieso der deutsche Normalfall. Es wäre verwunderlich, wenn es ausgerechnet in der »Islamdebatte« anders wäre. Eine Christin, die sich gegen Homophobie engagiert und ein Muslim, der sich für Frauenrechte einsetzt, sind selbstverständlich tausendmal sympathischer als all ihre Pius- und Moslembrüder zusammen. Wie sie es schaffen, bei dem, was sie tun, große Teile ihrer heiligen Schriften auszublenden, mag ihr Geheimnis bleiben. Schließlich spricht Jesus gemäß dem Evangelisten Markus, Kapitel 9, Vers 23: »Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.« Wer allerdings behauptet, »das Wesen« ihrer Religion hindere ausgerechnet Musliminnen und Muslime prinzipiell daran, säkular zu handeln, müßte nachweisen, daß die periodischen Massenaufstände gegen den iranischen Gottesstaat allesamt von Christen und Atheisten veranstaltet werden. Natürlich wird auch der widerwärtige Kult um die »Ehre«, unter dem besonders die Frauen, aber auch Männer leiden, im Glauben fündig. Und doch kann man darüber nicht reden und vom Patriarchat schweigen, das bekanntlich keine exklusive Eigenschaft des Orients ist. Zieht man in Betracht, daß sich im christlichen Europa vor noch gar nicht langer Zeit Herren der Schöpfung ihrer »Ehre« wegen gegenseitig über den Haufen geschossen haben und auch heute noch der Haß auf sogenannte »Nestbeschmutzer « verbreitet ist, in dem Elemente patriarchaler Clanwelten munter fortleben, so wird klar, daß es am wenigsten mit einer vermeintlich »besseren Religion« zu tun hat, wenn es hierzulande in allerjüngster Zeit einige Fortschritte in Richtung Gleichstellung der Geschlechter gegeben hat. Dem Islam vor diesem Hintergrund gar den Status einer Religion abzusprechen und ihn zur »Ideologie« zu erklären, ist selber ideologisch. Solange Religionskritik lediglich in der Form einer ahistorischen und außergesellschaftlichen »Islamkritik« wiederaufersteht, die sich in die Auslegung heiliger Schriften vertieft, läuft sie in die Ratzinger-Falle. Der übte sich bekanntlich in der Quadratur des Kreises und erklärte seine Religion zur besseren, weil sie »vernunftgeleitet« sei. Sein Nachfolger hat für solche intellektuellen Mätzchen sowieso nichts übrig. Es sei »das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann«, so Papst Franziskus, »daß er sich von den ›Irrlichtern‹ der Vernunft führen läßt«. Dann würde er nämlich »zu einem Intellektuellen «. Eine Vorstellung, vor der dem Pontifex offenbar besonders graust (Jorge Mario Bergoglio: Offener Geist und gläubiges Herz: Biblische Betrachtungeneines Seelsorgers, 2013). Wes Heiligen Geistes Kind Bergoglio ist, unterstreicht auch seine Überzeugung, die Saat des Glaubens finde keinen Halt »auf einem Boden, der nicht vom Schmerz gepflügt worden ist«. Der unverschämte Anspruch, das Leben genießen und Leiden vermindern zu wollen, ist eben nicht nur Islamisten unerträglich, die den Westen gerade für die Popularität dieses Versprechens hassen. Das Gift der Lebenslust fürchtet, wer mit Inbrunst das Abbild eines zu Tode gefolterten Menschen vor sich herträgt. Doch Millionen hoffen auf »Erneuerung« durch Franziskus, und Begriffe wie »Demut«, »Annehmen« und »Spiritualität« machen eine beängstigende Karriere. Zwar hat Religion, anders als der Positivismus, wenigstens noch eine Ahnung davon, daß es etwas Besseres geben sollte als die Welt, so wie sie ist. Aber sie verlegt die Hoffnung aus ihr und dem Menschen hinaus. Das macht sie so kompatibel mit den globalen Verwerfungen kapitalistischer Krisenprozesse. Wo keine Alternative zum täglichen Horror der unsichtbaren Hand des Marktes in Sicht ist, bietet es sich an, die Erfüllung seiner Wünsche in windige Sphären zu verlagern. »Höhere Mächte« haben Konjunktur. Daß Menschen solche über sich walten wähnen, ist seit jeher Bestandteil wie Indikator menschenunwürdiger Verhältnisse. Religionskritik aber ist Arbeit an deren Überwindung.

Lothar Galow-Bergemann schrieb in KONKRET 1/12 über die Stuttgarter Wutbürger

 

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»Wer darf urteilen?« (aus: konkret 2/13)

Macht, wer den Islam kritisiert, gemeinsame Sache mit Rassisten? Ein Beitrag zur Debatte (siehe KONKRET 1/13). Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Vassilis Tsianos

 

KONKRET: Sie beschäftigen sich seit längerem mit dem sogenannten antimuslimischen Rassismus (AMR) und bieten an der Hamburger Universität auch Seminare zum Thema an. Was verstehen Sie unter diesem Begriff ?

 

Tsianos: Antimuslimischer Rassismus ist eine neue Variante von Rassismus, die sich im Zuge der Politiken und Gesetzgebungen zur sogenannten Terrorismusbekämpfung und einer globalen Kriminalisierung des »arabischen Anderen« etabliert hat. Vor allem in Deutschland hat es diese Praxis geschafft, aus den hier lebenden vor allem türkischstämmigen Menschen letztlich Muslime zu machen, also die Kulturalisierung der Differenz im Modus der kriminalisierten religiösen Differenz zu vollziehen. Aus dem gefährlichen »kulturellen Anderen« ist so der gefährliche »religiöse Andere« geworden.

 

Man kann aus sehr guten Gründen religiös begründete Praktiken kritisieren. Was ist daran rassistisch?

 

Bis jetzt haben wir gelernt, Rassismus – darunter verstehe ich selbstverständlich auch Antisemitismus – im allgemeinen als »differentiellen Rassismus« (Étienne Balibar) zu verstehen, als einen Rassismus der Nichtkompatibilität von kulturellen Differenzen. Inzwischen haben wir es aber mit einer neuen Formation zu tun. Der Rassismus hat sich gewandelt im Zuge der Re-Etatisierung der Migrationspolitik auf globaler Ebene und im Zuge der Kriminalisierung der kulturellen Differenz im Zusammenhang mit den Anti-Terror-Gesetzen, aber auch mit dem Auftauchen der postmigrantischen Generationen, der dritten migrantischen Generation also, die selbst keine Migrationserfahrung mehr hat. Wir haben es mit staatlich vermittelten rassistischen Praktiken zu tun, die explizit eine bestimmte – vorgestellte oder tatsächliche – Verbindung einer Bevölkerungsgruppe mit einem politischen Projekt – mit dem sogenannten islamistischen Projekt – in Verbindung bringt und auf diese Weise stigmatisiert. Davon sind mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland betroffen. Wir haben zum ersten Mal einen besonderen Rassismus innerhalb der übrigen Formen des Rassismus, der einen großen Teil der Migranten in Deutschland auf eine gefährliche kulturelle, angeblich politisierte, transnationale Identität des explosiven Anderen festlegt. Das ist nicht nur Ideologie. Das ist auch mit staatlich-repressiven Praktiken verbunden, die zum Beispiel zentral die Frage nach der Revidierung der bestehenden deutschen Staatsangehörigkeit von eingebürgerten Migrantinnen und Migranten stellen.

Mit dem Ende des Mulitikulturalismus-Diskurses, der von den Konservativen, den Grünen, aber zum Teil auch von den Linken aufgekündigt worden ist, ist ein Terrain entstanden, auf dem ehemals emanzipatorische Differenzpolitiken, wie zum Beispiel die feministische Bewegung in Deutschland, jetzt zu Politiken neuer städtischer Eliten im Sinne der Disziplinierung und Sanktionierung von Minderheiten werden. Es überrascht in diesem Zusammenhang nicht, daß sogar Opfer des eliminatorischen Rassismus, wie zum Beispiel Ralph Giordano, zu den schlimmsten Kopftuchjägern der Republik gehören.

 

Wo verläuft die Grenze zwischen einer Kritik religiös begründeter Repression und antimuslimischem Rassismus?

 

Mein Problem besteht einfach darin, den politischen Islamismus mit der Welt des Islams per se in Verbindung zu bringen. Es gibt da keine ursächliche Verbindung. Sonst müßten wir das Christentum nicht nur für die Kreuzzüge, sondern auch für das »Dritte Reich« verantwortlich machen. Man muß also den Islam unterscheiden vom terroristischen Teil des politischen Islam, von dem man sich natürlich entschieden distanzieren muß. Das setzt aber eine Reflektion darüber voraus, wie wir mit postsäkulären Selbstorganisierungsprozessen von migrationsbezogenen Überlebenskulturen im neuen Einwanderungsland umgehen. Man muß mit der mindestens gleichen Intensität, mit der man den Terrorismus bekämpft, auch den globalen Ausnahmezustand bekämpfen, der aus Migranten »gefährliche Muslime« macht.

Das gilt zum Beispiel auch für die Scharia. Davon gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Und es ist sehr schwierig, mit Laizisten und Laizistinnen über die Scharia zu reden. Es gibt im Islam keine zentrale religiöse Instanz im Sinne der theologischen Souveränität. Das ist eine sehr komplizierte Diskussion, die primär theologisch geführt werden muß.

 

Nur wer die Scharia will, darf über die Scharia diskutieren? Wenn es auch im Islam keine religiöse Zentrale geben mag, so kann man doch den politischen Islam an seiner Realität messen und sich zum Beispiel ansehen, welche Bedingungen in denjenigen Ländern bestehen, in denen der Islam als Staatsreligion herrscht – Verhältnisse, die so ziemlich alles repräsentieren, wogegen sich emanzipatorische Praxis engagiert. Soll die Kritik von den Religionswächtern selbst ausgehen?

 

Wer ist berechtigt, darüber Urteile zu fällen? Wir Europäer? Wir haben bis vor 40 Jahren algerische Arbeiter in Paris exekutiert. Die Entstehung bestimmter Formen des fundamentalistischen Islamismus hat sogar mit der Nahost- Politik des »Dritten Reichs« zu tun. Wir sind zu verstrickt!

 

Zu verstrickt, um Kritik an barbarischen Verhältnissen zu üben?

 

Es gibt zwei Dinge, die mich bei der ganzen Diskussion nerven. Erstens: Es wird der alltägliche Rassismus im Namen der Islamkritik reproduziert. Es sind immer wieder die gleichen Personen, die sich dabei hervortun, die Frau Kelek, der Herr Giordano, der Herr Broder. Es ist eine disziplinierende und sanktionierende Art, mit Minderheiten umzugehen. Der deutsche Stammtischdiskurs ist gar nicht so weit von der laizistisch geläuterten Linken entfernt.

Das führt mich zum zweiten Punkt: Der Diskurs der Islamkritik ist kompatibel mit neorechten Diskursformationen globaler Intensität. Die Linke hat in diesem Diskurs nur zu verlieren. Auch diejenigen, die glauben, im Namen der Emanzipation Politik machen zu können, sind meiner Meinung nach Teil einer mainstreamisierten Differenzpolitik geworden. Es ist kein Zufall, daß der Islam und die Muslime in Deutschland und in Europa zum Gegenstand der Kritik im Namen der Emanzipation geworden sind.

 

Kann es nicht sein, daß der Begriff des antimuslimischen Rassismus vor allem dazu dient, jegliche Kritik am Islam, an seiner politischen Ideologie und mörderischen Praxis zu diskreditieren?

 

Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit dem Thema Rassismus, aus persönlichen und aus wissenschaftlichen Gründen. Vom Gefühl her weiß ich immer, wann wir es mit Rassismus zu tun haben. Rassismus fühlt sich sehr kalt an. Angehörige von Minderheiten wissen in der Regel ganz genau, wann sie rassistisch behandelt werden. Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß Minderheiten nicht kritisiert werden können. Die Frage ist: Wer ist derjenige, der kritisiert? Inwieweit ist sein Blick befreit von Disziplinierungs- und Sanktionierungsmechanismen der Mehrheitsgesellschaft? Und: Inwieweit verteidigen derartige Formen der Kritik die Privilegien derjenigen, die schon immer von Rassismus profitiert haben? Wie wir wissen, hat vor allem der Kolonialismus schon immer im Namen der Freiheit und der Gleichheit argumentiert.

Außerdem: Der Islam der türkischen oder arabischen Muslime in Deutschland ist ein europäischer Islam. Es handelt sich um Menschen, deren Vorfahren in vielen Fällen als sogenannte Gastarbeiter nach Deutschland gekommen sind. Die sind jetzt oft schon in der dritten Generation hier. Wir haben es mit europäischen und deutschen Phänomenen von Religiosität von Subalternen zu tun. Und die Linke hat ein Problem mit der Religiosität. Ich glaube, das war nicht immer so. Religiöse Diskurse waren, wenn wir uns die Geschichte der Subalternen anschauen, schon immer wichtig und hatten auch häufig einen emanzipatorischen Charakter. Wenn man aus einer laizistischen, eurozentristischen …

 

universalistischen? Es gibt viele Universalismen. Auch der Islam hat einen Universalismus und ist auch einer. Und diese unterschiedlichen Universalismen stehen gleichberechtigt nebeneinander? Die Ideen der Aufklärung, der universalistischen Menschenrechte, gelten Ihnen nur als ein Diskurs von vielen?

 

Naja, Aufklärung ist nicht unbedingt das beste Produkt, das die Europäer in die Welt gesetzt haben. Genau wie das imperial-koloniale Christentum oder der europäisch-kontinentale Antisemitismus. Wenn ich von Universalismus rede und diesen in der Tat auch verteidige, dann meine ich damit nicht unbedingt den Universalismus der Aufklärung, sondern den Universalismus der europäischen Subalternen, die Universalismen der postkolonialen Welten, die Universalismen, die überall auf dem Globus entstehen, überall dort, wo konkrete emanzipatorische Projekte von Subalternen unterdrückt werden und sich trotzdem als Erinnerungspolitiken behaupten. Und ich glaube, der historische Islam ist der Versuch, einen Universalismus darzustellen.

Man muß sich immer wieder klarmachen, daß der Diskurs des Universalismus europäisch und weiß ist. Da gibt es sehr wenig zu reden. Andererseits können wir aber nicht auf den harten Kern des Universalismus verzichten, nämlich auf Freiheit und Gleichheit. Vorausgesetzt, wir sind dazu im Stande, immer wieder diesen gleichen Anspruch auf Freiheit und Differenz zu relokalisieren.

 

Wie meinen Sie das?

 

Das heißt, die Pluralität der Universalismusprojekte muß verstanden werden. Bestimmte Formen von gastarbeiter-spezifischer Religiosität stellen einen Anspruch auf einen anderen Universalismus in Deutschland dar. Und das muß man ernst nehmen.

 

Die Verteidigung der Religion scheint Ihnen ein besonderes Anliegen zu sein. Dann stört Sie vermutlich auch der schöne Satz »Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik«, den Marx einmal aufgeschrieben hat?

 

Nichts gegen Marx, aber das ist eine der wenigen Ideen von ihm, die mich nie richtig überzeugt haben. Emanzipationsdenken ist historisch nicht identisch gewesen mit Religionskritik. Die Linke, die aus der marxistischen Schule kommt, hat gelernt, Religionskritik als Bestandteil einer egalitären Strategie zu verstehen. Ich glaube, das kann man nicht universalisieren, ganz im Gegenteil, man muß das provinzialisieren. Es hat etwas mit Hegelianismus zu tun und mit der Niederlage der Revolution in Deutschland, daß Linke statt Sozialkritik Religionskritik betreiben. Es ist kein Zufall, daß die aus der Aufklärung kommende Linke die Abschaffung der Religion für eine Voraussetzung der Egalität hält. Diese Linke hat diskursiv falsche Topoi eines bestimmten marxistischen Diskurses, eines proletarischen Universalismus übernommen, die andere Formen globaler Proletarität ignorierte, nämlich Frauenarbeit, Vagabundage und die Subalternen. Wir müssen die Geschichte der Entstehung der Arbeiterklasse aus einer hybriden, dezentrierten Perspektive betrachten.

 

Reden wir vom sogenannten arabischen Frühling, der sich sehr schnell als islamischer Winter entpuppt hat. Soeben werden bestimmte Rechte, die, wenn Sie so wollen, von Subalternen erkämpft wurden, wieder abgeschafft – zum Beispiel in Tunesien. Und zwar im Zuge einer Islamisierung. Diese Entwicklung müßte doch gerade auch für Sie, der Sie sich mit unterdrückten Bevölkerungsgruppen solidarisieren, Gegenstand der Kritik sein?

 

Ich weiß nicht, ob der »Arabische Frühling« zu Ende ist. Und ich weiß nicht, ob wir, die wir in der Regel nicht imstande sind, Arabisch oder Französisch zu verstehen, geschweige denn wir als europäisch-kontinentale Linke, die es nie geschafft hat, in den letzten 20, 30 Jahren ernstzunehmende transnationale Beziehungen mit Vertretern und Vertreterinnen der arabischen Linken zu etablieren, die Situation richtig einschätzen können. Wir haben es sehr eilig, was die Einschätzung des Verlaufs und der Ergebnisse der Revolution betrifft. In der Tat, die Muslimbrüder sind momentan dabei, eine gewisse Hegemonie in Ägypten zu etablieren. Aber das ist noch nicht ausgemacht.

 

Immerhin handelt es sich um eine politisch-ideologische Bewegung, die sich auf den Islam stützt und dabei ist, in Ägypten einen Gottesstaat aufzubauen. Dürfen wir derartige Entwicklungen erst dann kritisieren, wenn wir selbst Muslimbrüder geworden sind? Warum fällt es so schwer, offensichtlich reaktionäre Bewegungen als reaktionäre Bewegungen zu bezeichnen?

 

Wir haben diese Debatte zum Thema Hamas tausend Jahre geführt. Was wollen wir lieber? Wollen wir eine Solidaritätslinke, die nicht imstande ist, tatsächliche soziale Projekte in den besetzten Gebieten zu forcieren?

 

Jetzt reden Sie wovon? Von der Hamas?

 

Ja, ich rede tatsächlich von der Hamas. Ich rede von dem ganzen Diskurs, den wir in den letzten Monaten über Judith Butler hatten. Wie können wir solche Organisationen einschätzen?

 

Sehr einfach: Die haben ein Charta und verfolgen das Ziel, Israel auszulöschen. Ich finde, das ist eindeutig.

 

Ich finde das nicht eindeutig. Da gibt es Führungskämpfe ganz unterschiedlicher Fraktionen, die sind sehr gut sozial involviert und die sind nicht eindeutig mit anderen offen terroristischen islamistischen Fundamentalisten zu identifizieren.

 

Die Hamas ist eine eindeutig antisemitische Organisation.

 

Die sind antisemitisch, das stimmt.

 

Und das reicht Ihnen nicht, um diese Organisation zu verurteilen?

 

Ich weiß nicht, ob das ausreicht. Ich finde den Antisemitismus der Hamas in der Tat ekelhaft, aber …

 

er ist auch praktisch eliminatorisch, er zielt auf die Vernichtung von Menschen ab. Außerdem ist es zynisch, argumentativ eine Solidarisierung mit den Opfern von Repression und Gewalt zu verhindern, die in den meisten Fällen selbst Muslime sind.

 

Das ist in der Tat nicht falsch. Das Problem ist, daß eine solche Kritik an solchen Variationen des politischen Islams tatsächlich die reformorientierten Teile dieser Bewegungen isoliert. Ja, solche Bewegungen befürworten einen offenen Antisemitismus und verfügen über autoritäre Strukturen und Praktiken. Aber die müssen in einem Verhältnis gesehen werden zu der Gewalt, mit der sie zu tun haben. Und das ist die Gewalt eines Vertreters des US-Imperialismus vor Ort und eine Situation der sozialen Apartheid in Israel. Wenn wir die Hamas und andere Organisationen eindeutig mit den terroristischen Versionen des islamistischen Terrorismus identifizieren, haben wir keinen Ort mehr, um interne Befreiungspotentiale zu unterstützen. Der Mavi-Marmara-Konflikt war dafür ein gutes Beispiel.

 

Sie sprechen von der Gaza-Flotte 2010?

 

Ja. Da hatten wir es mit einer durchgeknallten Situation zu tun, auf beiden Seiten. Der Ort der Solidarität ist sehr kompliziert geworden.

 

Wie meinen Sie das?

 

Es gab einerseits vom politischen Islam oder von postkemalistischen Organisationen unterstützte Provokationen, die aber im Namen des Bruches des Embargos, was übrigens nach dem internationalen Recht illegal ist, stattfanden. Andererseits gab es als Reaktion darauf einen militärischen Einsatz der israelischen Armee. Sehen Sie: Ich bin ein philosemitischer Antizionist. Das ist eine schwierige Position in Deutschland als Linker.

 

Tatsächlich?

 

Ich habe mir diese Position angeeignet, seit ich in Deutschland lebe, um einen Ort der Solidarität und der Kritik in diesem Konflikt zu entwickeln. Ich sage es offen, ich habe ein sehr großes Problem mit dem zionistischen Militarismus des israelischen Staates. Andererseits ist die Infragestellung der staatlichen Souveränität Israels ein Skandal. – Ja, die Hamas ist antisemitisch, aber das ist nicht der einzige Punkt. Es gibt unterschiedliche antisemitische Formationen darin: Es gibt eliminatorische Antisemiten, es gibt pazifistische Antisemiten …

 

Was ist ein pazifistischer Antisemit?

 

Ich kann Ihnen ein Beispiel geben. Bei einigen Migranten in Deutschland gibt es Antisemitismus in den Alltagskulturen. Deutschland ist ein Land, wo aus historisch absolut nachvollzierbaren Gründen Philosemitismus zur Staatsdoktrin und zum Bestandteil der ideologischen Staatsapparate geworden ist, wo sich Generationen von deutschen und nichtdeutschen Jugendlichen im Geschichtsunterricht langweilen und sich auf eine bestimmte – und zwar im Kontext der Schule mit den Mitteln der Disziplinarpolitik durchgesetzte – kontinentaleuropäische Weise mit dem Holocaust auseinandersetzen. Es gibt nicht die andere – transnationale – Erinnerungspolitik, die zum Beispiel auch die Vertreibungserinnerung der palästinensischen Familien, die in Deutschland leben, thematisiert. Der Antisemitismus vieler migrantischer Jugendlicher in Deutschland hat mit dem deutschen Schulsystem, hat mit einer bestimmten nationalen Erinnerungspolitik zu tun, die nicht imstande ist, die transnationalen Erinnerungspolitiken der Minderheiten in Deutschland mit einzubeziehen.

 

Dann ist der Holocaust also indirekt schuld am Antisemitismus? Das hat nichts – um nur ein Beispiel zu nennen – mit der offen antisemitischen Propaganda in den Medien vieler arabischer Länder und der Reproduktion des Antisemitismus hierzulande zu tun?

 

In der Tat gibt es viele populäre antisemitische Formate, die auf eine globale Nachfrage stoßen. Aber ich denke nicht, daß das ausschlaggebend ist. Für viele arabischstämmige Jugendliche in Deutschland ist die Lage in den besetzten Gebieten wesentlicher.

 

Ich habe den Eindruck, Sie wollen eine kritische Auseinandersetzung mit dem politischen Islam, zu dem eben auch wesentlich der Antisemitismus gehört, unterbinden.

 

Kritik ist nicht eine sakrosankte Sache, die keinen Preis hat. Kritik muß die Perspektive der Subalternen annehmen. Kritisches Denken ist nicht an sich emanzipativ. Kritik ist eigentlich – das Problem habe ich auch mit der Kritischen Theorie in Deutschland – erstmal eine Form der Distanzierung, sie muß Gegenstand der Analyse selbst sein, sie bedarf der Situierung. Man muß sich fragen, ob man im Einzelfall überhaupt in der Lage ist, die Verantwortung für die Effekte des Diskurses zu übernehmen, wenn man Kritik übt. Mich interessiert zum Beispiel viel stärker die Perspektive von feministischen Muslimas als die Kritik eines Giordano oder einer Necla Kelek. Die geläuterten Postlaizisten argumentieren im Namen einer Allgemeinheit, die letztlich eine leitkulturelle Allgemeinheit ist.

Die Linke hat außerdem das Terrain der migrantischen Lebenszusammenhänge längst verlassen und interessiert sich nicht mehr dafür. Sie hat es seit mehr als zwei Jahrzehnten versäumt, mit migrantischen Milieus sozial zu tun zu haben. Wir können diese Milieus natürlich kritisieren, aber unsere Kritik ist eine, die sehr, sehr leicht mainstreamisiert wird von Neorechten, Neokonvervativen oder Postliberalen. In Sachen Religionskritik müssen wir lernen, in der Religiosität und Spiritualität von Minderheiten klassenspezifische und plebejische Aspekte zu lesen, damit wir imstande sind, damit zu kommunizieren. Letztendlich geht es darum, eine universalismenorientierte plebejische Globalperspektive zu entwickeln.

 

Interview: Philipp Schmidt –

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Unscharfe Relationen (aus: konkret 1/2013)

Macht, wer den Islam kritisiert, gemeinsame Sache mit Rassisten? Versuch einer Grenzziehung.Von Lars Quadfasel

Sozialwissenschaftler und linke Aktivisten widmen sich verstärkt der Bekämpfung des sogenannten antimuslimischen Rassismus. Weil es ihnen in der Regel weniger um Gesellschaft als um Gesinnung geht, kommen sie dabei zu Ergebnissen, die denen ihrer Antipoden zuweilen recht ähnlich sind. Neu ist das Thema »antimuslimischer Rassismus« selbstverständlich nicht. Unter der Bezeichnung »Islamophobie« geistert es schon seit geraumer Zeit durch die politischen Debatten. Dabei diente der Begriff, wie Kenan Malik in seinem Buch From Fatwa to Jihad am britischen Beispiel nachzeichnet, von Beginn an der Pazifizierung sozialer Konflikte: In Reaktion auf die race riots der frühen achtziger Jahre waren es insbesondere die linken Kommunalverwaltungen, welche die bis dato politisch nahezu bedeutungslosen Imame zu Repräsentanten der Communitys der pakistanischen und bengalischen Einwanderer aufwerteten. Indem über diese die Verteilung staatlicher Fördermittel abgewickelt wurde, begann sich auch das Selbstverständnis der Betroffenen entscheidend zu wandeln. Aus einer Bewegung für Gleichberechtigung, in der Ethnizität und erst recht Religion keine Rolle spielten, wurde so eine für die Wahrung religiöser Identität. Wenn der Islam in den migrantischen Communitys des Westens in den letzten Jahrzehnten rasant an Bedeutung gewonnen hat, ist das eben kein Ausdruck der Rückbesinnung auf die eigene Kultur, sondern schlicht vollzogene Integration: Einnahme des Platzes, der ihnen von der Mehrheitsgesellschaft zugewiesen wurde. Würde und Ehre sind nun einmal billiger zu haben als die Partizipation aller am gesellschaftlichen Reichtum.

Islamische Funktionäre fanden damit einen Resonanzraum vor, in dem sie all das, was ihren Machtanspruch in Frage stellte, als Angriff auf ihren Glauben, ergo als Diskriminierung brandmarken konnten. Diente der Kampfbegriff der »Islamophobie« dabei zunächst vor allem der Disziplinierung Unbotmäßiger in den eigenen Reihen, stieß er, beginnend 1989 mit der Affäre um Salman Rushdies Satanische Verse, mehr und mehr auf Verständnis bei westlichen Linken und Liberalen; 1997 schließlich fand er, mit einer Veröffentlichung des »interkulturell« engagierten Runnymede-Trusts, Eingang in die Akademie. Im Zeichen des Schutzes »unterdrückter Völker« und »autochthoner Kulturen« ist seither eine bizarre Querfront geschmiedet worden, in der sich ausgerechnet die Fortschrittsfreunde von einst für die Wahrung religiöser Gefühle ins Zeug legen – eine Querfront, als deren erste deutsche Vertreter vielleicht die Militanten der Antiimperialistischen Zellen gelten können, welche, darin tatsächlich einmal Avantgarde, schon in den Neunzigern im Knast zum Islam konvertierten, und die heute von vulgärtrotzkistischen No-Globos, die Hamas und Hisbollah als Speerspitze der kämpfenden Völker feiern, bis zu universitären Gender- Theoretikerinnen reicht, welche die muslimische Geschlechtersegregation für die Erschließung autonomer Frauenräume preisen und migrantische Kritikerinnen des Kopftuchs als Komplizinnen »kolonialer Entschleierungspolitik« denunzieren. Nicht zuletzt diese Implikationen sind es, die die »Islamophobie« als wissenschaftlichen Begriff in Verruf gebracht haben. In dem jüngst erschienenen Sammelband Islamophobie und Antisemitismus – ein umstrittener Vergleich, der einen nützlichen Überblick über die akademische Debatte gibt, zeigen Luzie Kahlweiß und Samuel Salzborn, daß das Forschungsteam um Wilhelm Heitmeyer, das den »Islamophobie«- Begriff in die deutsche Sozialwissenschaft eingeführt hat, munter Ressentiments gegen Migranten, fehlende Wertschätzung für die »islamische Kultur« und schlichtes Unwissen über religiöse Praktiken zur »gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit« zusammenrührt. Und Monika Schwarz-Friesel und Evyatar Friesel führen vor, wie die hierzulande von Wolfgang Benz, dem früheren Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung, popularisierte Vorstellung, »die Wut der neuen Muslimfeinde« gleiche »dem alten Zorn der Antisemiten auf die Juden« (Benz), nichts zum historischen Erkenntnisgewinn, viel aber zur Virtualisierung des heutigen Judenhasses beiträgt. Als Konsequenz aus der ideologischen Aufladung schlägt daher Armin Pfahl-Traughber, einer der rührigsten Autoren zum Thema, die Ersetzung von »Islamophobie« durch »Antimuslimismus« vor, welche spezifisch die Ablehnung von Muslimen, nicht aber die der Institution Islam bezeichnen soll. Und auch Teile der Szene gehen begrifflich vermehrt auf Distanz: Kongresse zum Thema, wie sie 2011 mit dem Bundeskongreß Entwicklungspolitischer Aktionsgruppen und 2012 in der Hamburger Roten Flora stattfanden, sprechen statt von »Islamophobie « lieber von »antimuslimischem Rassismus«. Was damit gemeint ist, wird dabei allerdings nur noch unklarer. Selbst wenn nicht, wie in zahlreichen Texten üblich, die verschiedensten Termini (neben den genannten auch »Antiislamismus«, »Islamfeindlichkeit« oder »Feindbild Muslim«) willkürlich nebeneinanderstehen, fehlt meist jeder Versuch einer konsistenten Bestimmung. Ersetzt wird sie, in den Benzschen Publikationen genauso wie in der autonomen Kongreßeinladung, durch eine Ansammlung von Fallbeispielen, darunter die immer gleichen Dauerbrenner: Blogs wie »Politically Incorrect« und Sarrazins Bucherfolge, der baden-württembergische »Muslim-Test« und das Schweizer Minarettverbot. Alles fraglos abstoßende Erscheinungen; nur ist die Crux an Beispielen, daß sie, wie drastisch auch immer, nicht für sich selbst sprechen, sondern erst durch Theorie zum Sprechen gebracht werden. Für sich genommen demonstrieren sie weder, wie Benz & Co. es erhoffen, das Ausmaß der politischen Gefahr, das »unserer Demokratie« durch radikale Muslimfeinde drohe (und das nur durch gut ausgestattete Vorurteilsforscher in den Griff zu bekommen ist), noch gar, wie die Autonomen es sich wünschen, eine allgemeine gesellschaftliche Tendenz (der Muslime hilflos ausgeliefert wären, gäbe es die aufrechten Linksradikalen nicht). Zu jedem Beispiel findet sich, das liegt in der Natur der Sache, zwanglos ein Gegenbeispiel – zum gegen »Musels« hetzenden Pro-Deutschland-Rechtsradikalen der Nationalrevolutionär, der, wie schon Hitler und Himmler, vom Bündnis mit dem Islam gegen raumfremde amerikanisch-zionistische Aggressoren träumt, zum von der Islamisierung Deutschlands raunenden »Spiegel«-Titel der »FAZ«-Feuilletonist, der Vertreterinnen eines moderaten Islams als »Regierungsmuslime« verächtlich macht, und zu jedem diskriminierenden Einbürgerungstest eine mit hiesigen khomeinistischen und Milli-Görüs-Funktionären ausgehandelte staatliche Integrationsoffensive. Die Unbestimmtheit ist freilich Programm. Wer sich durch die Fallbeispiele schlägt, um herauszufinden, wie der »antimuslimische Rassismus« genau funktioniert und gegen wen exakt er sich richtet, wird irgendwann ratlos mit den Schultern zucken. Mal erscheint es, als würde er auf die herkömmlichen Ressentiments quasi strafverschärfend draufgesattelt, als wäre also der muslimische Nigerianer hierzulande bedrohter als sein christlicher Landsmann und als hätte die schwäbische Konvertitin mehr zu leiden als die iranische Atheistin; mal scheint es sich einfach um die Fortsetzung der Pogromhetze der frühen neunziger Jahre zu handeln, nur eben mit dem Codewort »Muslim« statt »Scheinasylant«; und dann wieder wirkt es, als unterschiede sich die »Islamophobie« so sehr vom traditionellen Rassismus, daß sie, genau wie der Antisemitismus, einen eigenen Begriff erfordert. Mal scheinen als dessen Opfer vor allem die Menschen zu gelten, die aufgrund von Herkunft und levantinischem Aussehen unter die Muslime gezählt werden, ohne daß sie sich selbst als solche verstünden (was fraglos eine rassistische Zumutung darstellt, aber eine, die doch besser als »islamisierender« denn als »antimuslimischer« Rassismus beschrieben wäre), mal wiederum überwiegend säkular lebende Zuckerfestmuslime, die mit ihren eifernden Glaubensbrüdern widerrechtlich in einen Topf geworfen würden – und mal dann doch die Gemeinschaft der Gläubigen als Ganzes. Der Wirrwarr entspringt keinem Unvermögen, sondern der Sache. So einleuchtend auf den ersten Blick Pfahl-Traughbers Vorschlag erscheinen mag, die Ablehnung des Islams terminologisch klar von Angriffen auf Muslime zu unterscheiden, so wenig ist das praktisch umzusetzen. Wer schon einmal mit einem Gläubigen über Religion diskutiert hat, wird wissen, wie wenig die Beteuerung hilft, man meine die Kritik doch nicht persönlich. Glauben gilt heutzutage schließlich als besonders intime Privatsache. Weil das auch die Gegner des »Antimuslimismus« wissen, müssen sie alles von religiöser Bedeutung weiträumig umfahren. Gestützt auf eine recht schlichte Vorurteilstheorie, nach der überhaupt jede allgemeine Aussage über »den Islam« schon unzulässig sei, verwandeln sie die Welt in ein einziges großes Ungefähr, in der sich alles Spezifische verliert und keine Tatsachen mehr stören: »Selbstmordattentate«, schreibt Juliane Wetzel, die frühere Benz-Mitarbeiterin, im zitierten Sammelband, würden nur »vermeintlich im Namen des Islam« begangen, und von einer »angeblichen Gefahr« durch islamistische Terroristen ist in der Ankündigung des Rote-Flora-Kongresses zu lesen, als hätte es 9/11 und die Jahre danach nie gegeben; ohnehin, so wieder Wetzel, sei ja fraglich, ob der Islam in der »Diaspora heute tatsächlich eine politische Rolle spiele«. Indem solche Kritik des »antimuslimischen Rassismus« das Verhältnis von Islam, autoritärer Islamisierung und politischem Islamismus, überhaupt jeden Bezug aufs religiöse Selbstverständnis zum Tabuthema macht, schlägt sie in Apologie um. Benz selbst gelingt das recht einfach: Kritik am Islam, so verkündet er, dürfe durchaus geübt werden – allerdings nicht von jedermann (und schon gar nicht mit der »anklagenden Attitüde von Exmuslimen«), sondern nur von gleichsam geprüften Experten: nämlich Islamwissenschaftlern und Gläubigen. Mangelnde wissenschaftliche Kompetenz ist überhaupt Benz’ Lieblingsargument, ob gegen Sarrazin, dem zur Statistik die Expertise fehle, oder gegen Necla Kelek und Seyran Ates, denen wegen »persönlicher Erfahrung« zu große »Emotionalität« attestiert werden müsse. – Die Demokratie, die Benz in Gefahr sieht, scheint nicht darin zu bestehen, daß zu Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens alle Stellung beziehen können, sondern dann am besten zu funktionieren, wenn der Bäcker backt, der Schlachter schlachtet, der Politikwissenschaftler Politik betreibt und der Schuster bei seinen Leisten bleibt. Und wenn dann noch der Pfaffe predigt und der Gläubige glaubt, geht alles mit rechten Dingen zu. Andere, die sich als fortschrittlicher verstehen, brauchen fürs Kritikverbot schon größere ideologische Verrenkungen. Feministische Kritik am Islam, konstatiert etwa die in der Szene vielzitierte Soziologin Birgit Rommelspacher entsetzt, stelle »eine ganze Kultur beziehungsweise Religion in Frage«; was nun wirklich nicht angehen kann – zumal doch »der Säkularismus genauso patriarchal« sei. Das ist beinah schon ein Klassiker: Wenn Linke autoritäre Tendenzen in muslimischen Gemeinschaften nicht mehr leugnen können, heißt die letzte Rettung: Antisemitismus, Frauenunterdrückung und Schwulenhaß gebe es doch auch »bei uns«. Das klingt radikal, ist aber das Gegenteil davon. Es zeugt von schlichtem Desinteresse. Wer etwa suggeriert, es ergehe Frauen überall auf der Welt so wie im Iran oder Saudi-Arabien, weil doch auch anderswo sexistische Schönheitsnormen existierten, nimmt die Verhältnisse weder hier noch dort ernst – und wird also weder gegen die einen noch die anderen zum Widerstand bereit sein. Die Organisatoren des Rote-Flora-Kongresses schließlich lassen wissen, daß zu den arbiträren Eigenschaften, aufgrund derer Menschen von »antimuslimischen Rassisten« willkürlich als Muslime definiert würden, neben Name, Haarfarbe und Muttersprache auch das Kopftuch zähle – dessen Tragen den Autoren offensichtlich als ebenso schicksalhaft erscheint wie all die anderen Zufälle der Geburt. Indem sie den subjektiven Anteil an religiöser Praxis verleugnen, um ihn der Kritik zu entziehen, kehrt er quasi als Naturmerkmal wieder – und die Autoren landen bei genau der Vorstellung vom Islam, auf die sich hiesige Chauvinisten ebenso einigen können wie der Imam, der den Abfall von der Gemeinde als Verbrechen geißelt: Als Kopftuchmädchen (oder, im Jargon der Critical Whiteness gesprochen, People of Kopftuch) werden Musliminnen einfach geboren. Nahe liegt daher die Annahme, es sei weniger die Sorge um die prospektiven Opfer, die die Gegner des »antimuslimischen Rassismus« bei ihren publizistischen Kämpfen antreibt, sondern das eigene Bedürfnis nach einer guten Gesinnung. Bei der Lektüre der gesammelten Fallbeispiele fällt jedenfalls auf, daß das Schlimmste, was das Ressentiment anrichten kann,darin zu bestehen scheint, schlecht über Muslime zu reden; was angesichts dessen, womit deren Mehrheit sich hierzulande herumzuschlagen hat – von Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot bis zu repressiven Verhältnissen in der ihnen zugewiesenen Gemeinschaft – fast schon beruhigend klingt. Wie sehr es sich bei der ganzen Angelegenheit um eine Ersatzhandlung von Kopfarbeitern handelt, verdeutlichen zwei im Sammelband Islamophobia in the West veröffentlichte empirische Studien. Die in den USA entstandene belegt, daß es mit dem Gerede um ein nach 9/11 entstandenes »Feinbild Islam« nicht weit her ist (wer nach dem Anschlag Muslime haßt, hat es – und zwar im Verbund mit anderen Fremdgruppen, von Afroamerikanern bis zu Schwulen und Atheisten – auch schon vorher getan); und die britische zeigt, vielleicht noch bemerkenswerter, daß die dortigen Muslime zwar »racial discrimination« als starkes Problem empfinden, religiöse Diskriminierung aber kaum. Den Islam dennoch nur unter diesem Gesichtspunkt wahrzunehmen, zeugt daher vor allem vom Wunsch metropolitaner Linker, sich von den verwirrenden Erscheinungen der Gegenwart – Rebellionen, die mit islamistischen Wahlsiegen enden, Massenaufmärsche der Deklassierten, die mit Steinen, Eisenstangen und Lynchmorden die Ehre des Propheten verteidigen, und ein unerschrockener Drittweltführer, der gegen US-amerikanischen Druck das Recht seines Landes verteidigt, Israel mit Atombomben auszulöschen – nicht aus der gewohnten Bahn werfen zu lassen. Es erlaubt, mit anderen Worten, sich an der Seite von Opfern und nichts als Opfern zu wähnen, ohne daß der Genuß daran durch die Reflexion darüber gestört würde, daß jemand Opfer von Rassismus werden kann und doch zugleich einer menschenfeindlichen Ideologie anhängen. Es muß daher niemand bestreiten, daß »der Islam« ein Lieblingsthema rechtspopulistischer Ideologie darstellt, um deren Kennzeichnung als »islamophob« oder »antimuslimisch« als verfehlt zu verwerfen. Denn gerade der autoritäre Charakter verhält sich zum politischen Islam ja doppeldeutiger, als Linke und engagierte Wissenschaftler es wahrhaben wollen. Seine Opfer hat er gerne so ohnmächtig wie möglich; und als das erfährt er ausgerechnet die Muslime ja schon längst nicht mehr. Was ihm in Form von Minaretten, Muezzin und merkwürdigen Trachten als »kulturfremd« aufstößt, muß ihm vielmehr zugleich als Traum seiner schlaflosen Nächte erscheinen: eine Ordnung, in der die Frauen ihren Platz kennen und die Perversen nicht geduldet sind, in der statt Geist und Geld noch Gehorsam und Entsagung gefragt sind – und in der es gegen seine ureigenen Feinde, die Juden und die Amerikaner, geht. Kein Zufall daher, daß gerade die deutsche Ideologie seit Kaiser Wilhelms Zeiten, als man sich mühte, Türken, Araber und Perser zum Djihad gegen die Entente aufzustacheln, eine tiefe Affinität zu den »Muselmanen« kennt; kein Zufall, daß gerade die Nazis, wie im jüngst erschienenen Buch Hitlers Muslime von Volker Koop dokumentiert, davon phantasierten, den Führer als »Werkzeug des Propheten« und wiedergekehrten zwölften Imam zu verkaufen; kein Zufall schließlich, daß sich die deutsche Außenpolitik bis heute ihrer »besonderen Beziehungen« zum Iran und den arabischen Staaten rühmt (und manche ihrer intellektuellen Zuarbeiter, wie Jürgen Todenhöfer und Volker Perthes, zu den engagiertesten Kämpfern gegen die »Islamophobie« gehören). Gerade die scheinbar rabiatesten »islamfeindlichen « Tiraden sind daher von Lobliedern kaum mehr zu unterscheiden. Wenn etwa Sarrazin die Zeugungsraten deutscher Akademiker mit denen von muslimischen Familien konfrontiert, dann ist die Hochachtung vor deren Virilität nur schwer zu überhören. Aus dem Phantasma von der unaufhaltsamen »Islamisierung«, die stets nur Deutschland meint und nie den Teil der Welt, wo sie sich real vollzieht, spricht die Abscheu vor der Dekadenz, die Verachtung des Wohllebens, welches »uns« viel zu sehr verweichlicht habe, als daß »wir« dem Durchsetzungswillen und der Opferbereitschaft der Gläubigen noch etwas entgegenzusetzen hätten. Kein Grund daher für die Befürchtung, wer den Islam kritisiere, laufe Gefahr, mit Rassisten gemeinsame Sache zu machen. Die spezifische Differenz von aufklärerischer Kritik und populistischer Hetze ist vielmehr nahezu mühelos zu bestimmen. Es ist die Empathie mit den Opfern der Islamisierung. Weil diese in ihrer übergroßen Mehrheit selbst (ehemalige oder praktizierende) Muslime sind, sind sie für deutschnationale Chauvinisten so wenig von Interesse wie für linke Kulturalisten; wenn beide nicht ohnehin gemeinsam der Ansicht sind, daß es, solange alle nur schön unter sich bleiben, unter islamischer Herrschaft gar nicht despotisch genug zugehen kann. Wer daher meint, über den Islam die Klappe halten zu müssen, um nicht »den Rechten« in die Hände zu spielen, teilt mit diesen, ob gewollt oder nicht, die ideologische Grundlage: daß Muslime mit ihrem Muslimsein so restlos identisch sind, daß eine Kritik der Religion nicht etwa Perspektiven der Emanzipation eröffnet, sondern einzig und allein ein Verdikt über die Person darstellt.

Wolfgang Benz: Die Feinde aus dem Morgenland. Wie die Angst vor den Muslimen unserer Demokratie gefährdet. Beck, München 2012, 220 Seiten, 12,95 Euro

Gideon Botsch u. a. (Hg.): Islamophobie und Antisemitismus – ein umstrittener Vergleich. De Gruyter, Berlin 2012, 265 Seiten, 69,95 Euro

Marc Helbling (Hg.): Islamophobia in the West. Measuring and Explaining Individual Attitudes. Routledge, London/New York 2012, 226 Seiten

Volker Koop: Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz. Bebra-Verlag, Berlin 2012, 283 Seiten, 24,95 Euro

Lars Quadfasel schrieb in KONKRET 12/08 über den hundertsten Geburtstag der Neuen Musik

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Weltbilder, geschlossen (aus: konkret 10/09)

Islamkritik zwischen Aufklärung und Rassismus – ein Streitgespräch zwischen Kay Sokolowsky und Alex Feuerherdt

KONKRET: In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, in denen Kritikern des Islam Rassismus vorgeworfen wird. Nun ist ja auch KONKRET nicht sparsam, was die Kritik des Islam betrifft. Würdest du KONKRET in diesem Zusammenhang Rassismus vorwerfen?

Sokolowsky: Nein. Ich habe in meinem Buch Feindbild Moslem den Kritikern des Islam ja nicht verboten, Islamkritik zu betreiben, für diese Kritik gibt es genug gute Gründe. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, wie Rassisten die Kritik des Islam benutzen, um keinen Anstoß zu erregen bei denen, die unter Rassismus nur verstehen, wenn jemand »Kanake«, »Bimbo« oder »Kümmeltürke« sagt. Ich habe nicht vor, Leuten ins Wort zu fallen, wenn sie Islamisten beziehungsweise extremistische Muslime kritisieren. Was mich stört, ist die Verallgemeinerung: die Behauptung, es sei in jedem Moslem der Selbstmordattentäter schon genetisch angelegt.

Feuerherdt: Ich habe dennoch den Eindruck, daß für dich so ziemlich jede Islamkritik tendenziell rassistisch ist. Ich würde dagegen schon darauf bestehen, den Islam per se als eine reaktionäre, antimoderne politische Ideologie und nicht bloß als Religion zu begreifen. In den Gesellschaften, in denen er als Staatsreligion an der Macht ist, läßt sich ja studieren, was das bedeutet. Und was den antiislamisch gewandeten Rassismus betrifft: Wie relevant ist er eigentlich? Sicher, es gibt rassistische Websites und Internetforen, in deren Ablehnung ich weitgehend mit dir einig bin, aber welche Reichweite hat derlei denn tatsächlich?

Sokolowsky: Der Islam ist eine Offenbarungsreligion, keine Ideologie. Aber es gibt Ideologen, die diese Religion zu politischen Zwecken benutzen. Diese Trennlinie muß man ziehen. Es gibt zahllose gläubige Moslems, die mit dem Islamismus nichts anfangen können. Wenn es so wäre, daß der Islam per se eine Ideologie ist, dann hätte die sich in sämtlichen Ländern mit islamischen Bevölkerungsmehrheiten durchgesetzt. In der Türkei zum Beispiel sehe ich das nicht, die Türkei ist noch immer ein säkularer Staat, obwohl es in der Türkei natürlich Parteien gibt, die den Islam für ihre Ziele nutzen wollen.

Mich stört an dem, was man gemeinhin Islamkritik nennt, die Behauptung, daß jedem Moslem schon mit seinem Glaubensbekenntnis vorgegeben wäre, er habe ein politisches Ziel zu verfolgen. Das werden sicherlich die meisten Moslems nicht bejahen.

Feuerherdt: Auch ich gehe nicht davon aus, daß in jedem Moslem ein Terrorist steckt. Aber ich frage mich, wo denn diejenigen bleiben, die sich gegen islamisch motivierten Fanatismus und Mord wenden. Die Zahl derer, die sagen: Im Namen des Islam passieren schreckliche Dinge, die durch ihn gerade nicht gerechtfertigt sind, ist sehr klein. Wo also ist der empirische Beleg für die Trennung, die du da vornimmst?

Ein Beispiel: Im Januar gab es die israelischen Militärschläge im Gazastreifen. In der Folge kam es zu dem, was ich als die größten antisemitischen Demonstrationen in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichnen würde, maßgeblich getragen von islamischen Kräften. Die sind beispielsweise von Milli Görüs, von der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland, von Ditib, also von den konservativen Islamverbänden organisiert worden. Wo waren da die moslemischen Kräfte, die sich dagegen gewendet hätten, die gesagt hätten, das unterstützen wir nicht?

Ich gebe dir recht: Die Türkei ist ein laizistischer Staat, aber seit die AKP dort das Sagen hat, gibt es einen Rollback, der sich gewaschen hat. Der verlängerte Arm der türkischen Religionsbehörde, die Ditib, ist eben nicht mehr die Hüterin des Laizismus, sondern eine Organisation, die auch durch Imame in Deutschland dafür sorgt, daß sich die laizistischen Deutschtürken, wie ich sie nennen möchte, einer massiven Islamisierung ausgesetzt sehen. Die wehren sich zum Teil auch dagegen; ich kriege das gerade in Köln mit, wo dieses Moscheebauprojekt im Schwange ist. Da gibt es eine Menge Leute, die überhaupt keine Lust haben auf diese Re-Islamisierung. Nur in diesem Zusammenhang übrigens würde auch ich von Islamisierung sprechen – nicht von der Islamisierung Europas, sondern von der Islamisierung der moslemischen Community, beispielsweise eben der Deutschtürken.

Sokolowsky: Du forderst einen empirischen Beleg dafür, daß es gar nicht so viele Islamisten gibt, daß die meisten Moslems, wie ich behaupte, verabscheuen, was die Revolutionswächter im Iran veranstalten, was die Prediger in Saudi-Arabien predigen. Und dann erzählst du mir, daß ein erheblicher Teil der moslemischen Community in Köln gegen das Bauprojekt der Ditib in Ehrenfeld ist. Da nimmst du mir ja das Belegen ab.

Im übrigen sollten wir nicht in die Falle »Religion« tappen, die von Islamisten wie von Antiislamisten aufgestellt wird. Beide behaupten, daß sie wissen, wie derjenige beschaffen sei, der sich auf den Propheten Mohammed beruft. In dem Moment, wo ich sage: Nein, ihr habt ja alle unrecht, im Koran steht das und das drin, bin ich schon in diese Falle getappt. Im Zentrum steht für mich die Frage, wie Islamkritik instrumentalisiert wird, um einen großen Teil der Bevölkerung in Deutschland zu diskriminieren. Deswegen halte ich die Beschäftigung mit einer Website wie »Politically Incorrect« für wichtig: weil sich dort der Rassismus im Gewande der Islamkritik am deutlichsten ausdrückt. Natürlich sind auch andere Medien einschlägig tätig geworden – der »Spiegel« beispielsweise, der nicht etwa die Islamkritik, sondern die Kritik am Moslem an sich in besonders perfider Weise zur fixen Ideologie vorangetrieben hat, bis hin zu diesem famosen Titel »Mekka Deutschland«, einer der infamsten Zeitschriftentitel, der in den letzten zehn Jahren in Deutschland erschienen ist, und einer, der in der deutschen Öffentlichkeit interessanterweise nicht in seiner Infamie wahrgenommen, sondern akzeptiert wurde.

Diese Art von sogenannter Islamkritik, die eben keine ist, sondern Ausdruck von Haß auf Türken und Araber, ist sehr verbreitet, bis hinein in die Linke. Davon nehme ich ausdrücklich alles aus, was von Linken gegen die totalitären Gottesstaatssysteme im Nahen und Mittleren Osten geschrieben und gesagt wird. Davon nehme ich aber nicht diejenigen aus, die, wenn eine Demonstration von fanatischen, antisemitischen Moslems stattfindet, unterstellen, dies sei Mehrheitsmeinung in der moslemischen Community in Deutschland.

Wäre aber eine grundsätzlich religionskritische Haltung nicht die Voraussetzung für eine Abgrenzung von all den christlichen Moslemfreunden, die den Islam schon deswegen dufte finden, weil er eben auch eine Religion ist?

Sokolowsky: Noch einmal: Es sollte uns um Rassismus gehen, der so tut, als würde er Islamkritik betreiben. Was irgendwelche evangelischen Pastoren veranstalten, um den guten Moslem wiederzuentdecken, ist da weniger interessant. Ich möchte mich nicht verbünden mit den einen Pfaffen gegen die anderen Pfaffen. Ich möchte lediglich nicht mehr, daß in einer bestimmten Weise über Menschen geredet wird, die in diesem Land leben und zufällig einen anderen Glauben haben als die Mehrheit der Bevölkerung – oder diesen Glauben noch nicht mal haben. Die Subsumierung sämtlicher Araber, Türken und Libanesen in Deutschland unter die Rubrik »Moslems« ist eben falsch – nur etwa ein Drittel der »moslemischen« Bevölkerung in diesem Land ist strenggläubig, während die anderen zwei Drittel mit der Chose ziemlich locker umgehen.

Ich hätte, das gebe ich zu, natürlich in Feindbild Moslem auch ein argumentatives Problem gehabt, wenn ich diese Abgrenzung zu den obskuren Islamfreunden vorgenommen hätte: Ich kann nicht einerseits gegen Necla Kelek polemisieren, die immer wieder die »Gutmenschen« und »Multi-Kulti-Ideologen« angreift, wenn ich mich gleichzeitig hinstelle und sage, es gibt tatsächlich einige ganz schreckliche Gutmenschen und Multi-Kulti-Ideologen. Das wäre der Polemik nicht dienlich gewesen. Insofern habe ich aus taktischen Gründen manches weggelassen, um keine Verwirrung zu stiften. Zumal diese seltsamen Islam-Umarmer erheblich weniger Schaden anrichten als die politisch Inkorrekten.

Feuerherdt: Die Verwirrung würde ich aber gerne stiften – gerade mit Blick auf diese seltsame Islamophilie, die ja nicht nur von Pfaffen ausgeht. Ihre Grundlage ist ein kulturalistisches Weltbild, ein Begriff der Kultur, der den Begriff der Rasse abgelöst hat. Für die stinknormalen, ordinären Rassisten heißt es eben »Deren Kultur paßt nicht ins christliche Abendland« oder so was. Es gibt jedoch auch eine Strömung, die ich in der Linken verorten würde: die Kulturrelativisten – auch das sind letztlich Kulturalisten. Die sagen im Prinzip, wir lassen die Leute nach ihrer Façon selig werden, egal, was sie tun. Auch du schreibst ja an einer Stelle sinngemäß: »Warum akzeptiert man die Fremden nicht, wie sie sind?« Da würde ich dagegenhalten: Warum hören wir nicht mit diesem ganzen Gequatsche über Kultur auf und setzen dem etwas entgegen, Aufklärung zum Beispiel? Warum setzt man dem kulturrelativistischen Gerede nicht einen universalistischen Menschen(rechts)begriff entgegen, anstatt immer, ohne Ansehen der lebensweltlichen Konsequenzen gewissermaßen, von gleichwertigen Kulturen zu reden?

Sokolowsky: In diesem Land ist Islamophilie nicht weit verbreitet. Ein Viertel der Deutschen ist eventuell islamophil – drei Viertel gruseln sich laut Umfragen vorm Islam. Was im »Spiegel« oder bei »Politically Incorrect« geschrieben wird, hat auch eine politische Wirkung. Das sehe ich zum Beispiel, wenn ich lese, daß das niedersächsische Innenministerium verdachtsunabhängig Moscheebesucher kontrolliert. Ein ungeheuerlicher Vorgang: Da stehen Bürger, die ein Grundrecht ausüben, grundsätzlich in Verdacht, daß sie in die Moschee gehen, um sich da Anleitungen zum Bombenbasteln abzuholen. Dasselbe Innenministerium berichtet stolz, daß seit Beginn der Kontrollen kein einziger Haßprediger mehr in niedersächsischen Moscheen aufgetreten sei. Vor Beginn der Kontrollen – vermuten sie – seien es ein bis fünf gewesen. Vermuten sie. Die wissen nichts, und trotzdem werden diese verdachtsunabhängigen Kontrollen durchgeführt. Das möchte ich mal vorm Weihnachtsgottesdienst hier im Hamburger Michel sehen.

Feuerherdt: Dennoch: Schäuble hat die Islamkonferenz einberufen, und die Verbände, die er da eingeladen hat, gehören nun wirklich zum Schlimmsten, was es in dieser Richtung gibt – unter anderem der von Milli Görüs dominierte Islamrat, der Zentralrat der Muslime, der Verband der islamischen Kulturzentren und eben die Ditib. Und die sollen repräsentativ für die Moslems in Deutschland sein, zumindest glaubt das Schäuble.

Sokolowsky: Und das wundert dich, daß Schäuble solche Leute einlädt?

Feuerherdt: Nein, aber das ist ein ernsthaftes Problem. Diese Leute betreiben eine Islamisierung der moslemischen Community, und das ist ein Punkt, der mehr als nur der Erwähnung bedarf. Gerade wenn man sieht, daß darauf mit diesem Kulturrelativismus reagiert wird, der letztlich ja auch nur eine andere Form von Rassismus ist. In ihm wird der Fremde als »edler Wilder« verehrt, der exotischen Sitten und Gebräuchen folgt. Da hat man aus dem Kolonialismus die falsche Konsequenz gezogen, anderen »Kulturen« – oder was man dafür hält – die Aura des Unantastbaren zu geben.

Sokolowsky: Ich halte es grundsätzlich für die Pflicht eines jeden aufgeklärten Menschen, sich nicht hinzustellen und zu sagen, weil du etwas anderes glaubst als ich, muß ich dich erst mal erziehen, beziehungsweise, dir generell mißtrauen. Nein. Als erstes habe ich zu akzeptieren, daß der andere anders ist. Bevor diese Voraussetzung nicht geschaffen ist, kann ich keine gleichberechtigte Kritik üben.

Trotzdem bleibt die Frage, wie weit man die Akzeptanz treibt. In Berlin hat es gerade eine Auseinandersetzung um eine Ausstellung über NS-Kollaboration in der Dritten Welt gegeben, die ursprünglich in der Werkstatt der Kulturen stattfinden sollte. Wenige Wochen vor der Eröffnung hat die Leiterin der Werkstatt, Philippa Ebéné, beschlossen, die Ausstellung nicht zuzulassen; ein Grund dafür ist offenbar, daß die Ausstellung auch die Kollaboration in der arabischen Welt thematisiert. Muß man eine solche Entscheidung hinnehmen, weil das Publikum der Werkstatt der Kulturen zu großen Teilen aus der migrantischen Community kommt und ihm derlei mißfällt?

Sokolowsky: Das kann man ja auf Augenhöhe in der Sache kritisieren. Da geht es nicht um Akzeptanz. Die Verantwortliche hat eine gesellschaftliche Position, in der sie über solche Veranstaltungen entscheiden kann. Für die Diskussion über diese Entscheidung ist es nicht relevant, welchen kulturellen Hintergrund sie hat. Problematisch ist nur, von vornherein jemandem zu unterstellen, daß er tut, was er tut, weil er von da und da kommt.

Feuerherdt: Was verstehst du unter Augenhöhe, oder, konkreter: Warum kann ich nicht einen universalistischen Maßstab anlegen, einen also, an dem ich alle Menschen messe? Es ist einfach zu kurz gegriffen, zu sagen, ich akzeptiere jemanden erstmal so, wie er ist, auch, wenn der vielleicht mit dezidiert gegen die Aufklärung gerichteten Vorstellungen herumläuft.

Und um in diesem Kontext auf die Mehrheitsgesellschaft zu sprechen zu kommen: Nach meinem Dafürhalten waren die Reaktionen auf die erwähnten antisemitischen Demonstrationen ausgesprochen verständnisvoll.

Sokolowsky: Das verwundert in Deutschland überhaupt nicht.

Feuerherdt: Natürlich nicht, aber es widerspricht deiner These. Gäbe es einen dominanten antimoslemischen Rassismus, dann hätte er sich an dieser Stelle in Ablehnung äußern müssen: Wir wollen nicht, daß die hier so auftreten. Statt dessen nannten deutsche Medien Veranstaltungen »Friedensdemonstrationen«, auf denen Leute mit Parolen wie »Stoppt den Holocaust in Gaza« aufgetreten sind. Ein majoritärer Rassismus hätte sich anders geäußert.

Sokolowsky: Aber doch nicht, wenn man einverstanden ist. Im Kern ist der Antiislamist eben auch Antisemit. Und in dem Moment, wo Moslems losrennen und israelische Flaggen verbrennen – in dem Moment sind die Kumpels. Aber sie sollen nicht hierbleiben, sie sollen gefälligst in den Nahen Osten zurückgehen und dort gegen Israel kämpfen. Dann kann man sich wieder wunderbar mit ihnen verbünden, wie schon die alten Nazis und wie die Antisemiten nach 1945 immer und immer wieder. Das ist gar nichts Neues. Der Rassismus im Gewand der Islamkritik wird schließlich nicht dadurch aufgehoben, daß mal ein Moslem die gleiche Meinung hat wie der Rassist.

Feuerherdt: Dieser positive Bezug auf den politischen Islam ist aber auch kein Zufall. Die Frage ist, was da in Deutschland eher dominiert: der antimoslemisch gewandete Rassismus oder eine gewisse Zuneigung zu Programmpunkten des politischen Islam, die ganz gut zur deutschen Ideologie passen – das gibt dann eine ziemlich widerwärtige Melange. So konsistent ist übrigens das rechte Lager da nicht. »Politically Incorrect« etwa hat sich für die israelischen Militärschläge ausgesprochen und die Demonstrationen von Milli Görüs & Co. als antisemitisch kritisiert. In diesen Beiträgen habe ich bei denen nichts Rassistisches gefunden.

Sokolowsky: Bei »Politically Incorrect« gehört ein Bekenntnis zum Staat Israel, eine hundertprozentige Übereinstimmung zur Politik Israels strikt dazu – solange diese Politik militant gegen Palästinenser gerichtet ist. Das ist Taktik, nichts weiter. Wenn du dir das genauer anguckst, stellst du fest, daß auch da der alte Antisemitismus weiterschwärt. Denen gelingt, wie es der Psychoanalytiker nennen würde, eine Übertragungsleistung: Sie freuen sich, wenn die israelische Armee den Palästinensern ordentlich einen mitgibt, wie Anfang des Jahres im Gazastreifen; es gibt da welche, die sich vorstellen, wie das wäre, wenn die israelische Armee auch mal »in Neukölln aufräumt«. Dafür sind die Israelis gut, für mehr nicht. Der gemeine Antisemit schlummert bei Islamhassern nicht nur, der bricht auch immer wieder aus, und zwar immer dann, wenn ein Blogeintrag Anlaß gibt, über die deutsche Vergangenheit nachzudenken.

Feuerherdt: Trotzdem markiert das eine gewisse Differenz innerhalb dieses Lagers. Klassische Rechte sehen Israel normalerweise noch nicht mal aus diesem Grund als Bündnispartner.

Sokolowsky: Daran erkennt man eine Verschiebung in der Taktik. Die haben gesehen, daß Geert Wilders in den Niederlanden große Erfolge damit hat. Die ständig wiederholte Behauptung dieser Leute lautet: »Weil wir Israel unterstützen, können wir keine Rassisten sein.« Und nicht wenige kaufen ihnen das ab.

Wenn man Maßstäbe fordert wie Universalismus, Aufklärung, Menschenrechte – wo endet da die linke, aufklärerische Position, und wo steckt man bereits wieder in einer »Leitkultur«-Debatte?

Feuerherdt: Mein Verständnis von Universalismus, Menschenrechten oder Aufklärung reicht weit hinaus über das, was in der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu finden ist. Worauf ich setze, daran messe ich alle, ob nun Deutsche oder moslemische Einwanderer. Damit grenze ich mich vom Rassismus der deutschen Mehrheitsgesellschaft ab, aber auch vom antiaufklärerischen Programm des politischen Islam. Und eben von dem, was als »Leitkultur«, als »christliches Abendland« verstanden wird.

Sokolowsky: Wenn du von Menschenrechten sprichst: Da gehört die freie Religionsausübung dazu. Wenn jemand im Namen seiner Religion die Menschenrechte anderer verletzt, dann hat er natürlich Kritik und hoffentlich auch ein Gerichtsverfahren zu erwarten. Wenn ich jemanden aber nur als Vertreter eines bestimmten Kulturkreises betrachte, unterlaufe ich bereits jedes universalistische Menschenrechtsverständnis. Ich sage ja nicht, da kommen Leute eben von woanders her, und ich muß akzeptieren, daß die ihre Frauen einsperren, ihre Töchter zwangsverheiraten und im Zweifelsfalle umbringen. Aber was nicht geht, ist eine paternalistische, diskriminierende Haltung zum Zuwanderer, also etwa: »Du willst hier rein, da hast du dich vorher einem Einbürgerungstest zu unterziehen.« Ein Test, der davon ausgeht, daß jeder, der hier rein will, extremistische, menschenverachtende Positionen vertritt. Derartige Fragen werden den eingeborenen Deutschen nie gestellt. Sonst müßte man wahrscheinlich 60 Prozent der Deutschen den Paß entziehen.

Feuerherdt: Aber erweckt man mit der von dir in Feindbild Moslem vertretenen Annahme, jedwede Radikalisierung sei ein Ergebnis vorausgegangener Diskriminierung, nicht den Eindruck, die eingewanderten Moslems seien in erster Linie Objekte und nicht Subjekte ihres Tuns? Damit nimmt man die Radikalisierten von vornherein aus der Verantwortung.

Sokolowsky: Nein, es ist keine Entschuldigung, etwa unter dem Druck von Ahmadinedschads Pasdaran zu stehen oder in einem Land wie dem Libanon unter diesen widerlichen Hisbollah-Typen zu leben. Solche Verhältnisse sind keine Rechtfertigung dafür, zum Antisemiten zu werden oder zum Fraueneinsperrer und -mörder. Ich nehme niemanden aus der Verantwortung. Ich stelle aber fest, daß viele Moslems sehr leicht Opfer des radikalen Islamismus werden können, weil sie ohnehin schon mit dem Rücken an der Wand stehen. Genau das ist seit dem 11. September 2001 passiert, seit die pauschalen Verdächtigungen gegen Moslems in den USA und Europa massiv zugenommen haben. Vorher war der Zulauf zu islamistischen Organisationen in Deutschland viel geringer.

Es ist noch die Frage, ob daran die Ausgrenzung schuld ist oder ob diese dschihadistische Kriegserklärung nicht für manche Leute ein Weckruf gewesen ist für etwas, was vorher schon in ihnen geschlummert hat – völlig unabhängig von Diskriminierungserfahrungen.

Feuerherdt: Eben, in Deutschland werden ja nicht nur Moslems diskriminiert, sondern beispielsweise auch Roma, Schwarze und andere. Die Pogrome Anfang der neunziger Jahre haben sich nicht dezidiert gegen Moslems gerichtet, sondern gegen »Ausländer« allgemein. Bei den anderen Betroffenen kann ich aber keine Radikalisierung beobachten. Fehlt denen einfach ein Programm dafür, an dem sie sich orientieren können? Meine Schlußfolgerung daraus ist, daß man gerade den politischen Islam als Gefahr sehr ernst nehmen muß.

Sokolowsky: Ich will ja nicht erklären, was es alles in der moslemischen Community gibt. Mir geht es in erster Linie darum, zu schildern, wie ein Feindbild konstruiert wird. Ich möchte zeigen, wie daraus ein Vorwand konstruiert wird, möglichst alle Migranten aus dem im weitesten Sinne arabischen oder moslemischen Kulturkreis wieder loszuwerden.

Feuerherdt: Und das unterstellst du dann auch Leuten, die etwa die Antiislamismuskonferenz des Instituts für Antisemitismusforschung (»Feinbild Muslim – Feindbild Jude«) kritisieren?

Sokolowsky: Zumindest denen, die das auf Websites wie »Politically Incorrect« getan haben. Der Vorwurf, das ZfA wolle den Antisemitismus relativieren, ist völlig haltlos.

Wirklich? Aber Wolfgang Benz, der Leiter des ZfA, behauptet eine strukturelle Übereinstimmung zwischen Antisemitismus und Moslemfeindschaft – obwohl hinter dem modernen Antisemitismus ganz andere Denk- und Psychostrukturen sitzen als hinter dem »normalen« Rassismus (siehe dazu KONKRET 8/09).

Feuerherdt: Zitat Benz: »Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten gegen die Juden.«

Sokolowsky: Jeder Blick auf die Seite von »Politically Incorrect« belegt genau das. Das geht bis zur Deckungsgleichheit der rassistischen Klischees. Die Unterstellung der ZfA-Kritiker ist, es gebe auf der Welt nichts Schlimmeres als den Antisemitismus, alles andere sei dem unterzuordnen – das ist Relativierung: die Behauptung, daß alles, was es sonst an Rassismus und Vorurteilen in der Welt gibt, nicht so schlimm sei. Benz vergleicht; und wenn er feststellt, daß die Wut, die sich da austobt, die gleiche ist, dann stimmt das.

Der Antisemitismus braucht keine Juden, der Moslemhaß braucht keine Moslems. Was die brauchen, ist »der andere«. Im übrigen ist es kein Wunder, daß die Moslemfeinde sich aus dem Fundus des Antisemitismus bedienen, weil das eben verkappte Nazis sind. Wenn Wolfgang Benz das gleichsetzt, verniedlicht er doch nicht den Antisemitismus.

Feuerherdt: Benz betreibt vergleichende Vorurteilsforschung. Das finde ich deshalb problematisch, weil es beim Antisemitismus nicht um Vorurteile geht, sondern um handfeste Ressentiments. Ein Vorurteil ist ein vorgefaßtes, aber immer noch korrigierbares Urteil. Ein Ressentiment hingegen ist absolut faktenresistent, ein Bestandteil eines geschlossenen Weltbilds. Und Benz vergleicht nicht nur, er setzt gleich. Dabei müßte ihm doch beispielsweise auffallen, daß es in Europa keine systematische Diskriminierung und Verfolgung von Moslems gibt. So etwas existiert nicht in der Art, wie es beim nationalsozialistischen Antisemitismus der Fall war. Es gibt auch keine offizielle Politik der Ausgrenzung und Diffamierung von Moslems. Und es gibt keine staatlich geförderten Pogrome, von Vernichtungspolitik ganz zu schweigen. Schon deshalb verbietet sich eine Gleichsetzung.

Sokolowsky: Im deutschen Kaiserreich, als der Antisemitismus zu einer ideologischen Macht wurde, hat er da zu Pogromen geführt? Hat er nicht, es gab keine Pogrome im Wilhelminischen Kaiserreich. Wenn Antisemitismus zwangsläufig zu Pogromen führen würde, müßte das ja auch jetzt und hier ständig geschehen.

Feuerherdt: In letzter Konsequenz zielt Antisemitismus immer auf Vernichtung.

Sokolowsky: Auch der Moslemhaß zielt auf Vernichtung, dem genügt die Ausgrenzung ebenfalls nicht. Die Mord- und Vernichtungsphantasien, die es nicht nur bei »Politically Incorrect« gibt, haben’s in sich.

Aber gibt es da nicht doch einen strukturellen Unterschied? Ein gestandener Antisemit kann sich alle Übel der Welt damit erklären, daß es Juden gibt, die dahinterstecken. Den ordinären Rassisten, die sich derzeit auf Moslems konzentrieren, würde es schon reichen, wenn man alle Moslems in ihre Heimatländer abschiebt; sollen die ihren Islam doch da praktizieren.

Sokolowsky: Nein, das geschlossene Weltbild der Moslemfeinde sieht so aus: Der Islam ist generell auf die Weltherrschaft ausgerichtet, jeder, der sich zum Islam bekennt, beteiligt sich an diesen Welteroberungsplänen, und am Ende wird in sämtlichen Ländern der Erde die Scharia eingeführt. Alles Schlechte in der Welt kommt für den Moslemhasser aus dem Islam. Wo ist da der Unterschied zum Antisemitismus?

Feuerherdt: Daß die Islamisten das wollen, ist kein Hirngespinst, die sagen ja wirklich, wir wollen weltweit die Scharia einführen, wir wollen die Ungläubigen töten. Das macht die Sache kompliziert, weil es gleichzeitig die rassistische Projektion gibt, die das jedem Moslem unterstellt. Aber der Unterschied zwischen der antisemitischen und der antimoslemischen Projektion besteht nicht zuletzt darin, daß der einen jegliche reale Grundlage fehlt, während die andere einen tatsächlichen Anknüpfungspunkt in Theorie und Praxis der Islamisten hat.

Sokolowsky: Genau deswegen können so viele zustimmend nicken, wenn der Moslemhasser redet. Aber wenn ich einen »Spiegel«-Titel sehe mit dem Brandenburger Tor, über dem, angelehnt an die türkische Flagge, ein Halbmond und ein Stern schweben, und der Titel lautet »Mekka Deutschland – die stille Islamisierung« – das bewegt sich derart in Mustern antisemitischer Propaganda, daß mir wirklich mulmig wird.   l

Alex Feuerherdt schrieb in KONKRET  9/09 über Antisemitismus im Deutschlandfunk; Kay Sokolowsky hat soeben das Buch Feindbild Moslem veröffentlicht (Rotbuch Verlag, Berlin 2009, 256 Seiten, 16,90 Euro)

– Moderation: Svenna Triebler –

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